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Schrittgeschwindigkeit: Wie schnell, wo & Strafen bei Überschreitung?

7, 10, 15 km/h? Wie schnell ist Schrittgeschwindigkeit?

Alter, Größe und andere Eigenschaften bestimmen die persönliche Schrittgeschwindigkeit. Einen verkehrsrechtlich festgelegten Wert für die Schrittgeschwindigkeit gibt es nicht.

 

Im § 42, Anlage 3, Abschnitt 4 StVO heißt es lediglich:

„Wer ein Fahrzeug führt, muss mit Schrittgeschwindigkeit fahren. Wer ein Fahrzeug führt, darf den Fußgängerverkehr weder gefährden noch behindern; wenn nötig, muss gewartet werden.“

Was Schrittgeschwindigkeit ist, wird im Einzelfall vom Gericht bestimmt.

Als Richtwert wird eine Geschwindigkeit von 4 bis 7 km/h angenommen. So schnell geht ein durchschnittlicher, gesunder Erwachsener.

Die Schrittgeschwindigkeit eines durchschnittlichen Erwachsenen kann von einem Tacho jedoch gar nicht zuverlässig angezeigt werden. Hinzu kommt, dass ein Radfahrer bei 4 km/h das Gleichgewicht verlieren und stürzen würde.

Aus diesen Gründen hat das Amtsgericht Leipzig in einem Urteil (215 OWi 500 Js 83213/04) die Schrittgeschwindigkeit bei 15 km/h angesetzt.

Im Verkehrsrecht hat sich als Tempo für die Schrittgeschwindigkeit ein Wert zwischen 10 und 15 km/h durchgesetzt.

Zum Vergleich: die besten Athleten der Sportdisziplin Gehen erreichen eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 13,5 km/h. Viele Freizeit-Jogger wären wahrscheinlich froh, wenn Sie in einer Stunde 10 km laufen würden.

Wo muss Schrittgeschwindigkeit gefahren werden?

Es gibt 4 verschiedene Situationen, in denen man Schritttempo fahren muss.

Situation 1: Verkehrsberuhigter Bereich

Im verkehrsberuhigten Bereich (Schrittgeschwindigkeit Schild Nr. 325.1), auch Spielstraße genannt, muss man Schrittgeschwindigkeit fahren. Diese Regel gilt so lange, bis das Ende der Spielstraße durch das Verkehrszeichen 325.2 angezeigt wird. Beim Verlassen der Spielstraße muss man immer Vorfahrt gewähren.

Situation 2: Bushaltestelle

Bei haltenden Bussen/Schulbussen (mit Warnblinklicht) muss ebenfalls Schrittgeschwindigkeit gefahren werden. Hier besteht die Gefahr, dass einsteigende/aussteigende Fahrgäste die Fahrbahn queren.

Das Gebot der Schrittgeschwindigkeit gilt sowohl in Fahrtrichtung des Busses als auch auf der Gegenspur. Sind die Spuren auf der Fahrbahn baulich getrennt, zum Beispiel durch einen Grünstreifen, gilt die Schrittgeschwindigkeit nur auf der Spur in Fahrtrichtung.

Situation 3: Straßenbahnhaltestelle

Besondere Vorsicht – und daher Schrittgeschwindigkeit – gilt auch an Straßenbahnhaltestellen. An der Straßenbahn darf nur mit äußerster Vorsicht vorbeigefahren werden. Idealerweise wartet man, bis sie weiterfährt.

Situation 4: Fußgängerzone

Die Fußgängerzone ist ausschließlich für Fußgänger. Fahrzeuge mit Ausnahmereglung müssen dort Schrittgeschwindigkeit fahren.

Wussten Sie schon…?

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Welche Strafe droht mir bei Überschreitung der Schrittgeschwindigkeit?

Die Schrittgeschwindigkeit soll Fußgänger und insbesondere Kinder in Spielstraßen schützen. Durch die besonders geringe Fahrgeschwindigkeit können schwere Unfälle vermieden werden.

Wer die Schrittgeschwindigkeit überschreitet, wird jedoch nicht härter bestraft. Es gelten die gleichen Werte wie beim Standard Bußgeldkatalog für Geschwindigkeitsüberschreitungen.

Wer zum Beispiel bei geforderter Schrittgeschwind mit 30 geblitzt wurde, muss nach Abzug der Toleranz mit einem Bußgeld von 25 Euro rechnen.

Verstoß Bußgeld Punkte Fahrverbot
Geschwindigkeits­überschreitung bis 10 km/h 15 € nein
… 11 – 15 km/h 25 € nein
… 16 – 20 km/h 35 € nein
… 21 – 25 km/h 80 € 1 1 Monat
… 26 – 30 km/h 100 € 1 1 Monat
… 31 – 40 km/h 160 € 2 1 Monat
… 41 – 50 km/h 200 € 2 1 Monat
… 51 – 60 km/h 280 € 2 2 Monate
… 61 – 70 km/h 480 € 2 3 Monate
… über 70 km/h 680 € 2 3 Monate

Was droht mir bei Verletzung/Gefährdung von Fußgängern?

Sollten durch eine unangepasste Fahrweise Fußgänger gefährdet oder gar verletzt werden, drohen deutlich härtere Strafen.

Handelt es sich um eine Gefährdung nach StVO drohen höhere Bußgelder und sogar ein Fahrverbot.

Bei Anklage wegen Verkehrsgefährdung nach § 315c StGB und/oder fahrlässiger Körperverletzung wird immer im Einzelfall unter Berücksichtigung der individuellen Tatumstände geurteilt. Hier drohen hohe Geldstrafen oder Gefängnis und Führerscheinentzug. Ersttäter werden in der Regel mit einer Geldstrafe belegt.

Fakt ist, dass die Polizei bei jedem Verkehrsunfall mit Personenschaden zunächst ein Ermittlungsverfahren gegen den vermeintlichen Unfallverursacher einleitet.

Sind Spielstraße und verkehrsberuhigter Bereich das Gleiche?

Das blaue Schrittgeschwindigkeit-Schild Nr. 325.1 wird gerne als Kennzeichen für eine Spielstraße gewertet. Eigentlich stimmt das aber nicht.

Eine echte Spielstraße wird durch das Schild Nr. 250 „Verbot für Fahrzeuge aller Art“ und das Zusatzzeichen 1010-10 markiert. In der Spielstraße dürfen also gar keine Autos fahren, während im verkehrsberuhigten Bereich lediglich eine besondere Rücksichtnahme gefordert ist.

Dementsprechend gibt es deutlich mehr verkehrsberuhigte Bereiche als Spielstraßen.

Müssen sich auch Fahrradfahrer an die Schrittgeschwindigkeit halten?

Da in Spielstraßen und verkehrsberuhigten Bereich Fußgänger und vor allem Kinder geschützt werden sollen, gilt die Schrittgeschwindigkeit auch für Radfahrer. Wer seine Geschwindigkeit nicht anpasst und einen Fußgänger gefährdet, muss mit einem Bußgeld von 30 Euro rechnen.

Wie wird Schrittgeschwindigkeit in der Fahrschule geübt?

Schrittgeschwindigkeit fahren ist Bestandteil der Fahrschule. Beim Auto legt man den ersten Gang ein und lässt den Wagen im Standgas rollen. Das ist die kleinstmögliche Geschwindigkeit, die das Auto fahren kann. Bei Automatikwagen geht man vom Bremspedal und fährt langsam ohne Gas zu geben.

Etwas schwieriger ist es, mit dem Motorrad Schrittgeschwindigkeit zu fahren. Hier fährt man an und muss ständig die Maschine stabilisieren durch das Zusammenspiel von

  • Kupplung
  • Gas
  • und Bremse

Zusammenfassung – das Wichtigste in Kürze

  1. Die Schrittgeschwindigkeit ist nicht klar definiert. Im Verkehrsrecht hat sich ein Wert zwischen 10 km/h und 15 km/h eingebürgert. Tatsächlich wird jedoch immer im Einzelfall entschieden.
  2. Bei Überschreitung der Schrittgeschwindigkeit drohen Bußgelder, Punkte in Flensburg und ein Fahrverbot.
  3. Bei Gefährdung oder gar Verletzung von Fußgängern in Schrittgeschwindigkeitsbereichen drohen bei Verurteilung hohe Geldstrafen oder Gefängnisstrafen bis zu 3 Jahren und Führerscheinentzug.
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