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MPU-Gutachten & wie Sie damit umgehen sollten!

Wann wird ein MPU-Gutachten angeordnet?

Der Anordnung einer Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU) ist in der Regel derEntzug der Fahrerlaubnis durch die zuständige Fahrerlaubnisbehörde vorgeschaltet. Die rechtliche Basis des Entzugs der Fahrerlaubnis bildet §3 Straßenverkehrsgesetz (StV). Dort heißt es, dass wenn „sich jemand als ungeeignet oder nicht befähigt zum Führen von Kraftfahrzeugen [erweist], so hat ihm die Fahrerlaubnisbehörde die Fahrerlaubnis zu entziehen.“

Die Fahreignung wird natürlich nicht ohne Anlass angezweifelt. Konkret bedeutet dies, dass es immer ein bestimmtes Fehlverhalten im Straßenverkehr ist oder gar grobe Verkehrsverstöße sind, die die Fahrerlaubnisbehörde dazu veranlassen, eine Fahrerlaubnis zu kassieren.

Um die Zweifel an der Fahreignung auszuräumen und um die Fahrerlaubnis wieder erteilt zu bekommen, wird eine MPU angeordnet.

Durch die Untersuchung soll festgestellt werden, ob sich dieser Zweifel bestätigt oder ob er verworfen werden kann, d.h. ob das Gutachten positiv oder negativ im Sinne der Fahreignung ausfällt.

Die Eignung kann aus ganz verschiedenen Gründen angezweifelt werden:

  • Alkohol: Sowohl eine nachgewiesene Abhängigkeit als auch Trunkenheitsfahrten können zu einer MPU führen. Das kann bei wiederholten Vergehen der Fall sein oder auch bei einer einmaligen Fahrt mit mehr als 1,6 Promille, übrigens auch dann, wenn man als Führerscheininhaber „nur“ den Lenker eines Fahrrads betätigte.
  • Drogen: Auch das Fahren unter dem Einfluss von Drogen ist natürlich verboten und zieht in der Regel eine MPU nach sich. Konkret geht es, ähnlich wie beim Thema Alkohol hinterm Steuer, darum, dass MPU-Kandidaten es nicht vermögen, ihren Drogenkonsum und das Führen eines Fahrzeugs voneinander zu trennen.
  • Medikamentenmissbrauch: Ähnlich wie der Missbrauch von Alkohol und Drogen, kann auch das regelmäßige Fahren unter Einfluss von Medikamenten (vor allem von bewusstseinsverändernden Arzneien) erhebliche Zweifel an der Fahreignung und damit die Anordnung einer MPU zur Folge haben.
  • Punkte: Wer wiederholt im Straßenverkehr auffällt und die 8 Punkte im Verkehrszentralregister in Flensburg erreicht, kommt um eine MPU nicht herum.
  • Straftaten: Auch bei Straftaten kann eine MPU angeordnet werden. Das passiert entweder, wenn die Straftaten im Zusammenhang mit dem Straßenverkehr stehen oder wenn sie auf ein besonders hohes Gewalt- und Aggressionspotential schließen lassen.
  • Wiederholungstäter: Die Fahreignung bezieht sich nicht alleine auf körperliche Aspekte. Auch der Charakter des Fahrzeugführers muss dazu geeignet sein. Weisen die charakterlichen Eigenschaften jedoch insofern Mängel auf, als dass jemand beispielsweise notorisch falsch parkt und sich auch trotz unzähliger Strafzettel uneinsichtig zeigt, kann auch dies zur Anordnugn einer MPU führen.
  • Einschränkungen: Auch eine Erkrankung oder eine körperliche Einschränkung kann in bestimmten Fällen zu einer MPU führen. Hier kann eine MPU beispielsweise als Ergänzungestätigung  zu einem bereits bestehenden ärtzlichen Gutachten dienen.

Umgang mit dem MPU Gutachten?

Grundsätzlich sind drei verschiedene Ergebnisse der MPU denkbar:

  1. Positives MPU-Gutachten: Die Ergebnisse der medizinischen und psychologischen Untersuchung führen zu einem positiven Gutachten. Dies bedeutet, dass die Bedenken der Behörde bezüglich Ihrer Fahreignung entkräftet wurden. Einer Neuerteilung der Fahrerlaubnis steht nichts mehr im Wege.
  2. MPU-Gutachten mit Nachschulungsempfehlung: Die Ergebnisse des Gutachtens sind nicht optimal. Es wurden zwar einige positive Aspekte gesehen, aber dennoch gab es einige Schwachstellen. Die Gutachter empfehlen dann, dass Sie an einem speziellen Nachschulungskurs bei unabhängigen und qualifizierten Schulungsinstituten teilnehmen und dass dabei die offenen Punkte geklärt werden. Wenn der Kurs beendet ist, wird die Verkehrsbehörde Ihnen Ihre Fahrerlaubnis aushändigen, ohne dass eine weitere MPU ansteht.
  3. Negatives MPU-Gutachten: Bei einem negativen MPU-Gutachten gab es nicht genügend positive Aspekte. Wenn Sie jedoch offen waren, haben die Gutachter die Möglichkeit bekommen, sich einen entsprechenden Eindruck über Sie zu verschaffen. In diesem Fall werden Sie Ihnen eine Empfehlung geben, was Sie tun könnten, um ein positives MPU-Gutachten zu bekommen. Sie werden zwar mit dem negativen MPU-Gutachten Ihren Führerschein noch nicht wieder bekommen, aber Sie wissen dann, was Sie anschließend tun müssen.

MPU Ergebnis Wartezeit?

Das Ergebnis Ihrer MPU wird Ihnen zumindest in der generellen Tendenz in der Regel an Ort und Stelle direkt mitgeteilt. Wenn keine weiteren zusätzlichen Unterlagen (z.B. Arztbefunde) eingeholt werden müssen, erhalten Sie das MPU-Gutachten meistens nach spätestens 14 Tagen per Post. Je nach Befund und Begutachtungsstelle, können aber teilweise auch 4 Wochen vergehen, bis das Ergebnis in der Post liegt.

Laut den Qualitätsstandards der Bundesanstalt für Verkehrswesen, die die Begutachtungstellen für Fahreignung amtlich anerkennen muss, sollte das MPU-Gutachten spätestens zehn Tage nach Erhalt entsprechender Befunde (Urin- oder Haaranalysen, Leberwerte, Drogen-Screenings) verschickt werden.

Wussten Sie schon..?

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MPU Ergebnis anfechten?

Sollten Sie im Falle eines negativen Ergebnisses gerichtlich gegen das Gutachten vorgehen wollen, sind Ihre Erfolgschancen nach Expertenmeinung sehr gering. Erstens ist die Anfechtung eines Prüfungsergebnisses grundsätzlich schwierig, zweitens liegt die Beweispflicht bei Ihnen: Sie bräuchten also Video- oder Audiomitschnitte von der Prüfung.

Übrigens: Gegen die MPU selbst können Sie keinen Widerspruch einlegen. Bei einer MPU-Anordnung handelt es sich nämlich nicht um einen Verwaltungsakt, gegen den man Widerspruch einlegen könnte. Es ist vielmehr eine Anordnung, die zur Aufklärung  (Sind die Zweifel an der Fahreignung berechtigt oder nicht?) dient und das Interesse und die Sicherheit der Allgemeinheit im Straßenverkehr gewährleisten soll, auch wenn dadurch Eingriffe in das Persönlichkeitsrecht einhergehen.

Anfechten können Sie jedoch die Entscheidung der Fahrerlaubnisbehörde, Ihnen ihre Fahrerlaubnis nicht wieder zu erteilen, also Ihren Wiedererteilungsantrag abzulehnen, weil Sie nicht an einer MPU teilgenommen haben. Gegen diesen Bescheid können Sie dann tatsächlich binnen eines Monats Einspruch einlegen.

Vorsicht ist aber dennoch geboten, denn trotz Einspruch gegen die nicht erfolgte Wiedererteilung Ihrer Fahrerlaubnis sind Sie solange nicht berechtigt ein Fahrzeug zu führen, wie kein anderes Urteil ergeht und/oder Ihrem Widerspruch stattgegeben wird.

Muss ich ein negatives MPU-Gutachten an die Fahrerlaubnisbehörde weiterleiten?

Sie sind nicht verpflichtet, ein negatives Gutachten an die Fahrerlaubnisbehörde zu übergeben. Sie sollten dies sogar vermeiden, da es Ihnen keinen Vorteil bringt. Im Gegenteil: Das Nicht-Bestehen könnte Ihnen negativ ausgelegt werden und die Wiedererteilung der Fahrerlaubnis erschweren.

Es empfiehlt sich daher, bei einem negativen Gutachten Kontakt zur Begutachtungsstelle bzw. zum Verkehrspsychologen aufzunehmen und die im Gutachten erwähnten Verhaltensauffälligkeiten oder auch Defizite, die einer Wiedererteilung der Fahrerlaubnis entgegenstehen, im Detail zu besprechen. So können Sie bis zur nächsten MPU genau an diesen Punkten arbeiten.

Deshalb sollten Sie auch keine EInverständniserklärung unterschreiben, womit Sie die Begutachtungs­stelle dazu ermächtigen, das Gutachten an die Fahrerlaubnisbehörde weiterzuleiten, ohen dass Sie es zuerst gesehen haben.

Wann und von wem soll das MPU-Gutachten bei der Behörde vorgelegt werden?

Die Frist für die Vorlage des Gutachtens setzt in der Regel die Fahrerlaubnisbehörde fest. Da Sie selbst für die Teilnahme an einer MPU verantwortlich sind, müssen auch Sie als Teilnehmer das Gutachten an die Behörde weiterleiten. Es gibt oftmals auch die Möglichkeit, die Begutachtungs­stelle mit der direkten Weiterleitung zu beauftragen. Dies ist allerdings nicht zu empfehlen. Denn ein negatives Gutachten sollten Sie der Behörde besser nicht vorlegen oder zumindest als erster sehen und lesen können.

Ein positives MPU-Gutachten kaufen: Geht das?

Ein positives MPU-Gutachten zu kaufen oder zu fälschen, ist illegal und damit verboten. Sie sollten keinesfalls auf Methoden dieser Art zurückgreifen. Denn wer gefälschte Urkunden anfertigt, in Auftrag gibt und/oder in Umlauf bringt, macht sich im Zweifelsfall der Urkundenfälschung schuldig. Auf diese Strafttat drohen Geldstrafen oder eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren.

FAQs zu MPU Gutachten

Fällt das Gutachten nach der Medizinisch- Psychologischen Untersuchung (MPU) negativ aus, kann diese Untersuchung wiederholt werden –  und das ganz ohne Sperrfrist. Dennoch sollte man sich Zeit lassen und nehmen, bevor man erneut den „Idiotentest “ macht. Denn dieser wird prinzipiell genauso aussehen und aufgebaut sein wie der erste. Zu empfehlen ist es, das Gutachten aufmerksam durchzulesen und die dort aufgeführten Empfehlungen und Handlungsanweisungen zu beherzigen, bevor man sich einer neuen MPU stellt.

Nicht jeder negative Ausgang einer MPU muss zwangsläufig einen neuen Test zur Folge haben. Entdecken die Gutachter nämlich starke, dennoch aber durchaus noch ausbaufähige positive Tendenzen beim Verkehrssünder, kann  der nächste Schritt auch eine MPU-Nachschulung nach §70 Fahrerlaubnisverordnung (FeV) bzw. ein Aufbauseminar sein. Bei diesem Versuch zur Wiederherstellung der Fahreignung geht es letztlich darum, die Fahrerlaubnis ohne eine zweite oder gar dritte MPU wiederzuerlangen. Dabei helfen sollen Reflektionen über das eigene Fehlverhalten und das Erarbeiten künftiger Bewältigungsstrategien.

Zusammenfassung – das Wichtigste in Kürze

  1. Es sind drei Ergebnisse möglich: positiv, positiv mit Auflage einer Nachschulung, negativ.
  2. Ein Einspruch gegen ein negatives Ergebnis lohnt sich so gut wie nie.
  3. Sie sollten ein negatives Ergebnis nicht an die Behörden weiterleiten.
  4. Ein positives Gutachten lässt sich nicht legal kaufen – Versuche dieser Art werden hart bestraft.
  5. Auch ohne Führerschein kann eine MPU bei entsprechenden Zweifeln an der Fahreignung angeordnet werden. Ein positives Gutachten ist dann Voraussetzung für die Anmeldung zur Fahrprüfung.
  6. Die Fahrerlaubnis ohne MPU wiederzuerlangen, bedarf Geduld und viel Aufwand.
  7. Eine Option besteht darin, 15 Jahre zu warten und sich in dieser Zeit keine weiteren Straßenverkehrsvergehen zuschulden kommen zu lassen.
  8. Auch kann der Führerschein im EU-Ausland gemacht werden, wenn sich der ordentliche Wohnsitz dort befindet. Das Umschreiben in einen deutschen Führerschein wid aber nicht ohne MPU möglich sein.
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