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MPU wegen Alkohol: Das sollten Sie wissen!

Zu viel oder zu oft Alkohol am Steuer zieht eine MPU nach sich!

Wer muss zur Alkohol MPU?

Alkohol verringert die Reaktions- und Konzentrationsfähigkeit in beträchtlichem Maße. Je höher der Blutalkohol-Wert desto geringer die Leistungsfähigkeit und desto höher das Unfallrisiko.

Es wundert also nicht, die die Fahrerlaubnis-Verordnung  (FeV) den Eignungszweifeln bei Alkoholproblematik gleich einen ganzen Paragraphen widmet (§ 13 Klärung von Eignungszweifeln bei Alkoholproblematik).

Darin heißt es sinngemäß, dass die Fahrerlaubnisbehörde zur „Vorbereitung von Entscheidungen über die Erteilung oder Verlängerung der Fahrerlaubnis oder über die Anordnung von Beschränkungen oder Auflagen“ anordnen kann, dass der Verkehrsteilnehmer ein medizinisch-psychologisches Gutachten beibringen muss, und zwar bei:

  • einer Blutalkoholkonzentration von 1,6 Promille oder mehr
  • wiederholten Trunkenheitsfahrten, auch schon mit 0,5 Promille
  • Verdacht auf Alkoholmissbrauch, ohne dass eine ärztlich bestätigte Alkoholabhängigkeit besteht.

Besteht eine Form von Alkoholismus, muss diese durch die Vorlage eines ärtzlichen Gutachtens belegt werden.

Video: Alkohol am Steuer – Autofahrer müssen zur MPU

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Ablauf MPU wegen Alkohol?

Für die Begutachtungsstellen für Fahreignung (BfF) gilt grundsätzlich: Wer eine Alkohol-MPU machen muss, hat ein Problem mit Alkohol! Entsprechend anlassbezogen fallen die medizinische und psychologische Untersuchung wie auch der Reaktionstest aus.

Die alkoholspezifische Begutachtung findet also vor allem mit Hinblick darauf aus:

  • inwieweit der Alkoholkonsum eventuell bereits Störungen der Organe und/oder Wahrnehmung zur Folge hatte
  • in welchem Maße die die Selbsteinschätzung des Verkehrsteilnehmers auf Einsicht oder auf Uneinsichtigkeit schließen lässt, was seine Alkoholfahrten betrifft.

Kann der Betroffene also wirklich klar zwischen Alkoholkonsum und Fahren trennen  oder gehört beides für ihn wie selbstverständlich zusammen?

Sobald beim psychologischen Gespräch, also im psychologischen Teil der Untersuchung, auch nur ansatzweise rauszuhören ist, dass das die betroffene Persongar gar nicht versteht, warum sie eigentlich hier bei einer MPU ist, weil sie das mit dem Trinken und Fahren schon immer so gemacht habe und sowieso unter Kontrolle hat, kann dies eigentlich nur zu Folge haben, dass:

  • die Begutachtungsstelle die Fahreignungszweifel der Fahrerlaubnisbehörde (Ist es wahrschenlich, dass der Betroffene auch künftig wieder unter Einfluss von Alkohol fahren wird?) nicht ausräumen kann.
  • das MPU-Gutachten negativ ausfällt.
  • die Wiedererteilung der Fahrerlaubnis abgelehnt wird.

Im Sinne des Betroffenen gilt es also ganz klar nachzuweisen, dass es keine wiederholte Alkoholfahrt geben wird. Die Verharmlosung von Alkoholgenuss ist also so ziemlich das Dümmste, was man bei einer Alkohol-MPU machen kann.

Bei einer MPU wegen Alkohol durchlaufen Sie in der Regel  3 „Prüfungs-Stationen“:

  1. Medizinische Untersuchung
  2. Reaktions- und Leistungstest
  3. Explorationsgespräch (Gespräch mit einem Psychologen)

Wussten Sie schon…?

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Nötige Nachweise Alkohol MPU?

Wird die MPU wegen Alkohol am Steuer angeordnet, sind die medizinischen Untersuchungen und Tests natürlich von entscheidender Bedeutung, um nachzuweisen, dass Ihr Trinkverhalten keinen Einfluss auf Ihre Fahreignung hat.

Nachweis kontrolliertes Trinken

Liegt ein Erstvergehen vor, kann es sein, dass das sogenannte kontrollierte Trinken ausreicht. Das kontrollierte Trinken muss für mindestens 6 Monate nachgewiesen werden. Wobei hier keine Haaranalysen oder Urinproben helfen.

Hier muss die betroffene Person dem Gutachter glaubhaft vermitteln, dass es so ist: Also dass sie nur noch so viel trinkt, dass keine alkoholtypischen Auswirkungen zu befürchten sind (bis etwa 0,3 Promille). Dass sie nur noch zu geplanten Anlässen trinkt, also nicht spontan und dass es pro Jahr nicht mehr als 10 bis 12 dieser Anlässe gibt.

Haaranalyse und Urinprobe bei wiederholtem Alkoholmissbrauch und als Abstinenznachweis

Wiederholter Alkoholmissbrauch führt aber dazu, dass Ihre Alkoholabstinenz als Teil der MPU nachgewiesen werden muss. Konkret bedeutet dies sogar, dass vor Beginn einer MPU die Abstinenz von Alkohol über einen längeren Zeitraum nachgewiesen werden muss.

Hierzu kann sowohl eine Haaranalyse als auch eine Urinprobe durchgeführt werden. Die Proben werden auf Spuren von Ethylglucuronid (EtG) analysiert.

Bei der Analyse der Haarproben muss darauf geachtet werden, dass die Haare vor allem unbehandelt sind, also weder geötn, gefärbt noch gebleicht.

Je nach Einzelfall kann die Begutachtungsstelle eine Methode vorschreiben oder Ihnen die Wahl lassen.

  • für einen Abstinenznachweis von sechs Monaten braucht es vier Urinkontrollen.
  • für zwölf Monate sind sechs Kontrollen notwendig.
  • um zwölf Monate Alkoholabstinenz bei einer Haaranalyse nachzuweisen, müssen vier Proben durchgeführt werden.

Die Leberwerte, die anhand einer Blutprobe festgestellt werden können, sind zwar ein Indiz für regelmäßigen Alkoholkonsum, reichen aber alleine nicht aus. Deshalb können sie höchsten als zusätzliches Hilfsmittel genutzt werden.

Urin- vs. Haaranalyse

Sofern man die freie Wahl zwischen Urin- und Haaranalyse zum Nachweis der eigenen Alkoholabstinenz hat, sollte man wissen, dass:

  • Alkoholabbauprodukte wie Ethylglucuronid (EtG) im Urin nur bis zu 48 Stunde nach Konsum nachweisbar sind. Man kann also ziemlich schnell nach Beginn der Abstinenz mit den Tests beginnen, muss aber über den Zeitraum mehrerer Monate auch entsprechend mehrere Urinproben abgeben.
  • In den Haaren ist (bei 3-6 cm Länger Haarproben) Alkohol noch bis zu 3 bis 6 Monate nachweisbar. Zudem kann neben den Kopfhaaren auch andere Körperbehaarung analysiert werden, sofern diese lang genug sind.

Erst trocken, dann MPU

Erst, wenn alle Werte – seien es nun Urin- oder Haarproben – zeigen, dass Sie wirklich über einen entsprechenden Zeitraum „trocken“ geblieben sind, können Sie die MPU angehen.

  • Aufgrund der Nachweisfristen ist dringend zu empfehlen, sich lange vor Ablauf der Sperrfrist mit seinem Fall zu beschäftigen, um nicht noch länger auf die Fahrerlaubnis bzw. auf einen MPU-Termin warten zu müssen.

 

Kosten MPU wegen Alkohol?

Eine MPU wegen Alkohlvergehen kostet in der Regel ca. 400 Euro. Die MPU-Stellen sind allerdings berechtigt, eigene Preise festzulegen, weshalb die Kosten variieren können. Wird ein Abstinenznachweis verlangt, kann dieser zusätzlich mehrere Hundert Euro kosten.

Widerspruch MPU wegen Alkohol sinnvoll?

Das Thema „Widerspruch/Einspruch gegen bzw. Anfechtung einer MPU“ muss man differenziert betrachten:

  • MPU-Anordnung: Dieser kann man nicht widersprechen noch kann man sie anfechten, da es sich hier nicht um einen Verwaltungsakt handelt. Natürlich aber kann man sich der Anordnung widersetzen, was aber meist zur Folge hat, dass die Fahrerlaubnis nicht wieder erteilt wird.
  • MPU-Gutachten: Ein MPU-Gutachten kann man anfechten. Dabei ist jedoch wichtig zu wissen, dass die Beweislast- und -pflicht beim Betroffenen liegt. Er muss also die Fehleinschätzung der eigenen Fahreignung durch die Gutachter beweisen. Hierfür sind Ton- und Videoaufnahmen in jedem Fall hilfreich.
  • Widerspruch gegen abgelehnte Wiedererteilung: Kommt die Fahrerlaubnisbehörde aufgrund einer nicht besuchten MPU zum Entschluss, Ihnen Ihre Fahrerlaubnis nicht wiederzuerteilen, haben Sie die Möglichkeit binnen einer Monatsfrist Einspruch gegen diesen Bescheid einzulegen.

Es empfiehlt sich im Falle, dass Ihnen die Anordnung der MPU unverhältnismäßig erscheint,  einen Fachanwalt aufzusuchen und sich über Möglichkeiten juristischer Gegenwehr beraten zu lassen.

Weitere Fragen & Antworten

Der Weg zu einem positiven Gutachten bei einer Alkohol-MPU ist schwer und tückisch. Es gibt viele Fallen, in die man tappen kann bzw. die einen als potentiellen Wiederholungstäter entlarven. Und genau diese Personen sollen durch die Untersuchung ja auch rausgefiltert werden. Denn Alkohol am Steuer ist nicht tolerierbar.

Wie bei jedem MPU-Anlass gilt: Ehrlichkeit währt am längsten. Wer die ehrliche Absicht verfolgt, sein Verhalten im Straßenverkehr zu ändern und die notwendigen Voraussetzungen dafür mitbringt, wird die Prüfung bestehen. Sollte das Ergebnis negativ ausfallen, gibt es zwei Möglichkeiten:

1.  Wenn nicht alle Eignungszweifel ausgeräumt sind, werden den Betroffenen sogenannte §70-Kurse empfohlen. Dabei handelt es sich um eine Nachschulung zur Wiederherstellung der Fahreignung.

2. Wenn das MPU-Ergebnis absolut negativ ist, bleibt nur der Antrag auf die nächste MPU. Klar ist aber auch, dass Sie spätestens jetzt die Hilfe einer MPU-Beratung annehmen sollten, damit Sie die nächste MPU bestehen.

Übrigens, bei einem Alkoholverstoß in der Probezeit ordnet die Führerscheinbehörde direkt eine Nachschulung an.

Die Begutachtungsstellen für Fahreignung (BfF), wie z. B. der TÜV, können ein Lied davon singen: die meisten Medizinisch-Psychologischen Untersuchungen (MPU) nach Entzug des Führerscheins werden bei alkoholauffälligen Kraftfahrern gemacht.

  • Etwas über die Hälfte der MPU-Kandidaten erhalten nach der Untersuchung ihre Fahrerlaubnis zurück.
  • Ein Zehntel muss zur Nachschulung,
  • der Rest wird als „ungeeignet“ eingestuft.

Ungeeignet bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit sehr gering ist, dass die betreffende Person ihr Verhalten im Straßenverkehr ändert. Es konnte also nicht glaubhaft nachgewiesen werden, dass der Teilnehmer sein Trinkverhalten verändert hat.

Zusammenfassung – das Wichtigste in Kürze

  1. Eine MPU wird in jedem Fall ab einem Promillewert von 1,6 angeordnet
  2. Auch wiederholte Vergehen mit weniger Promille können zu einer MPU führen
  3. Je nach Einzelfall kann die Abstinenz entweder freiwillig oder verpflichtend über Haaranalysen oder Urinscreenings nachgewiesen werden.
  4. Leberwerte gelten als zu ungenau und werden deshalb in der Regel nicht verwendet
  5. Neben den medizinischen Werten muss auch glaubhaft gemacht werden, dass sich das Trinkverhalten verändert hat.
  6. Das kontrollierte Trinken kann bei leichteren Vergehen eine Alternative zur Abstinenz darstellen.
  7. MPU-Anordnungen lassen sich nicht anfechten, die Weigerung der Wiedererteilung der Fahrerlaubnis seitens der Behörde dagegen schon.
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